Überblick
Persönliche Integrität und Respekt betreffen uns alle – im Studium, im Arbeitsalltag und im Miteinander an der FH Graubünden. Ein respektvolles und diverses Miteinander gelingt nur, wenn wir unsere eigene Integrität ernst nehmen und die der anderen achten. Gleichzeitig haben wir gemerkt, dass es viele Fragen gibt, wenn es um Themen wie sexuelle Belästigung, Sexismus, Mobbing und Diskriminierung geht.
Genau hier setzt diese Kampagne an.
Wir wollen informieren, sensibilisieren und zum Nachdenken anregen. Nicht belehrend, nicht mit erhobenem Zeigefinger – sondern offen, klar und ehrlich. Es geht darum, Wissen zugänglich zu machen, Gespräche zu ermöglichen und Berührungsängste abzubauen.
Ausgangspunkt war eine einfache, aber wichtige Frage:
Wie bringen wir das Thema Diversity und persönliche Integrität der gesamten Hochschulgemeinschaft näher – und wie können wir die Nulltoleranz an der FH Graubünden gemeinsam leben?
Unsere Antwort darauf:
Die Haltung der Nulltoleranz gegenüber Mobbing, sexueller Belästigung und Diskriminierung sichtbar machen!
Und entsprechend haben wir diese Kampagne ins Leben gerufen.
Die Kampagne steht für Awareness statt Scham, für Klartext statt leere Floskeln und für eine aktive Auseinandersetzung statt Wegschauen. Sie soll dazu ermutigen, hinzuschauen, Fragen zu stellen, die eigene Haltung zu reflektieren – und Verantwortung zu übernehmen. Denn eine respektvolle Hochschulkultur entsteht, wenn wir uns mit diesen Themen beschäftigen, darüber sprechen und sie ernst nehmen – gemeinsam.
Nutzen und Ziel
Ziel der Kampagne ist es, eine Null-Toleranz-Kultur gegenüber grenzüberschreitendem Verhalten zu etablieren. Das bedeutet: Sexismus, Diskriminierung oder Mobbing jeglicher Form haben keinen Platz – und werden nicht bagatellisiert oder übergangen. Gleichzeitig geht es darum, das Bewusstsein für persönliche Verantwortung zu schärfen. Beispielsweise für den eigenen Umgang mit anderen, für gegenseitigen Respekt und für einen achtsamen, fairen Umgang im Studien- und Arbeitsalltag.
Die Werte der FH Graubünden – wie Chancengleichheit, Gleichstellung und Respekt – lassen sich nur dann wirklich leben, wenn alle mitziehen. Persönliche Integrität ist keine Einzelaufgabe, sondern eine gemeinsame Verantwortung der gesamten Hochschulgemeinschaft: Studierende, Mitarbeitende und die ganze FHGR-Community.
Nur gemeinsam schaffen wir ein Umfeld, in dem sich alle sicher, respektiert und ernst genommen fühlen. Denn: «Diskriminierung fängt im Alltag an – in Worten und Taten, die wir manchmal nur so nebenbei sagen / tun.»
Kampagnenteam
Die Kampagne ist in Co-Kreation zwischen hochschulinternen Fachpersonen und Studierenden-Expertinnen und -Experten entstanden. Die Studierenden haben diese im Rahmen von «Diggezz» mitentwickelt und umgesetzt – und ihr damit auch das «designerische» und gestalterische Gesicht verliehen.
- Corin Harzenmoser, Leiterin Fachstelle Diversity und Projektleiterin/Kampagnen-Verantwortliche
- Susanna Roffler, Leiterin Beratungsstelle/Anlaufstelle NTA
- Flurina Simeon, Leiterin Hochschulkommunikation
- Seraina Zinsli, Projektleiterin Hochschulkommunikation
- Jesica Castro, Projektleiterin Marketing
- Sarina Daros, MMP Studierende
- Alessio Rosano, MMP Studierender
- Andri Kummer, MMP Studierender
- Livio Fretz, MMP Studierende
- Laila Keller, MMP Studierende
Bei Inputs, Anregungen und/oder Fragen zur Kampagne kann man sich gerne an Corin Harzenmoser wenden.
Kampagnen Look and Feel
Der visuelle Auftritt der Kampagne ist bewusst klar, laut und sichtbar gestaltet.
Farben
Die knalligen Farben orientieren sich an der LGBTQIA+-Flagge. Sie stehen für Vielfalt, Offenheit und Unterschiedlichkeit. Gleichzeitig sorgen sie dafür, dass die Kampagne ins Auge sticht. Die Farben machen sichtbar, dass Vielfalt dazugehört – uns als Hochschule ausmacht – und sichtbar sein soll.
Logo
Das Kampagnenlogo lehnt sich bewusst an das FHGR-Logo an – ist aber schräg gestellt. Es bricht mit Gewohntem, spielt mit Form und Perspektive und macht so Diversität sichtbar. Klar, aber gleichzeitig ansprechend – genau wie die Haltung, für die die Kampagne steht.
«Imfall»
Wir wissen, dass «imfall» kein korrektes Hochdeutsch ist. Und genau das ist der Punkt. Die Kampagne will direkt und greifbar sein. Wir sprechen so, wie viele von uns im Alltag sprechen – ehrlich, klar und ohne Distanz. «Imfall» holt ab, fällt auf und lädt dazu ein, genauer hinzuschauen. Denn Aufklärung funktioniert am besten dann, wenn sie verständlich ist – und sich nicht «Zeigefinger-belehrend» anfühlt.
Statements
Viele der folgenden Aussagen sind im Alltag schnell gesagt – oft ohne böse Absicht. Trotzdem können sie verletzen, ausgrenzen oder Grenzen überschreiten. Nicht alles, was «normal» klingt, ist auch harmlos. Sprache formt, wie wir denken und wie wir miteinander umgehen. Sie kann stärken – oder verletzen und diskriminieren. Sensibilisierung heisst nicht, perfekt sein zu erwarten. Es heisst, hinzuschauen, zuzuhören und dazuzulernen.
«Das ist so behindert.»
Ist imfall keine Bewertung, sondern diskriminierend.
«Das sieht doch schwul aus.»
Ist imfall keine legitime Meinung, sondern homophob.
Hier wird das Wort «schwul» benutzt, um etwas schlecht oder lächerlich zu machen. Damit wird die sexuelle Orientierung mit etwas Negativem verknüpft. Das ist keine persönliche Meinung über Stil oder Geschmack, sondern eine abwertende Aussage gegenüber queeren Menschen – auch wenn sie unbedacht oder ohne böse Absicht geäussert wird.
«Das ist wieder typisch Frau.»
Ist imfall keine neutrale Aussage, sondern sexistisch.
«Dein Aussehen half sicher.»
Ist imfall kein Kompliment, sondern respektlos.
«Die hat sicher ihre Tage.»
Ist imfall keine harmlose Feststellung, sondern sexistisch.
«Ein echter Mann weint nicht.»
Ist imfall kein gesundes Rollenbild, sondern toxisch.
«Du siehst gar nicht beeinträchtig aus.»
Ist imfall keine neutrale Beobachtung, sondern grenzüberschreitend.
«Depressiv sind heute alle.»
Ist imfall kein harmloser Kommentar, sondern fahrlässig.
«Woher kommst du wirklich?»
Ist imfall keine Neugierde, sondern rassistisch.
Die Frage klingt neugierig, vermittelt aber oft, dass man nicht richtig dazugehört. Sie reduziert Menschen auf ihre Herkunft und macht sie zu «Anderen». Das ist rassistisch, auch ohne böse Absicht. Entscheidend ist der Kontext: Wer fragt, in welcher Beziehung und aus welcher Position heraus. Problematisch wird die Frage besonders dann, wenn eine Antwort wie «Ich komme aus Chur» nicht akzeptiert wird und nach einem «wirklichen» Ursprung gefragt wird. In einem gleichwertigen, freiwilligen Austausch über Herkunft kann die Frage anders wirken. In vielen Alltagssituationen markiert sie jedoch Menschen als «Andere» – und genau das macht die Frage rassistisch.
«Bist du jetzt Frau oder Mann?»
Ist imfall keine belanglose Frage, sondern entwürdigend.
«Isch Dialekt in Ordnig?»
Ist imfall nicht zuvorkommend, sondern sprachlich ausschliessend.
Die Frage klingt rücksichtsvoll, kann aber vermitteln, dass bestimmte Sprachen hier eigentlich nicht vorgesehen sind. Sie setzt Dialekt als stillschweigende Norm und markiert Hochdeutsch als Abweichung. In Gruppensettings – etwa bei Anlässen oder im Klassenzimmer – bringt sie einzelne Personen potenziell in unangenehme Rechtfertigungssituationen. Statt Verbindung zu schaffen, signalisiert die Frage Anpasspassungsdruck.
Persönliche Integrität
Persönliche Integrität bedeutet, dass die Würde, die Grenzen und die Selbstbestimmung jedes Menschen respektiert werden. Sie betrifft unseren Körper, unsere Gefühle, unsere Identität, unsere Meinung und unsere persönlichen Grenzen – im Studium, im Arbeitsalltag und im sozialen Miteinander.
Persönliche Integrität ist dann verletzt, wenn Menschen sich aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Religion, einer Behinderung, ihres Alters, ihrer Position oder anderer persönlicher Merkmale unsicher, herabgesetzt, ausgeschlossen oder unter Druck gesetzt fühlen. Das passiert nicht immer durch rein offensichtliche Grenzverletzungen. Auch wiederholte Kommentare, abwertende Bemerkungen, subtile Verhaltensweisen oder bestehende Machtungleichgewichte können dazu führen, dass sich Menschen unwohl, nicht ernst genommen oder eingeschränkt fühlen.
Eine Hochschule ist ein Ort des Lernens, Arbeitens und Zusammenlebens. Damit sich alle hier wohl und sicher fühlen können, ist es entscheidend, dass persönliche Integrität geschützt, respektiert und ernst genommen wird. Dazu gehört, eigene Grenzen wahrzunehmen, die Grenzen anderer zu achten und aufmerksam zu sein für Situationen, in denen diese überschritten werden. Das ist eine gemeinsame Verantwortung.
Die Diversity Policy erläutert die Haltung der FH Graubünden.
Im Folgenden werden die drei zentralen Formen von Grenzverletzungen, die die persönliche Integrität betreffen, erläutert.
Was ist sexuelle Belästigung?
Sexuelle Belästigung umfasst unerwünschte sexuelle oder sexistische Kommentare, Gesten, Nachrichten oder Berührungen. Entscheidend ist nicht die Absicht, sondern die Wirkung. Wenn sich eine Person unwohl, bedrängt oder herabgesetzt fühlt, ist eine Grenze überschritten.
Die interne «Richtlinie bei Fällen von sexueller Belästigung, Mobbing und Diskriminierung am Arbeitsplatz und im Studium» der FH Graubünden definiert den Begriff sowie das Verfahren im Falle von sexueller Belästigung:
«Sexuelle Belästigung äussert sich in einem einseitigen Verhalten mit sexuellem Bezug, das von der betroffenen Person unerwünscht ist oder als bedrohlich empfunden wird. Sexuelle Belästigung kann mit Worten, Gesten oder Taten ausgeübt werden. Sie zeigt sich z. B.
- in sexistischen Sprüchen oder Witzen, anzüglichen oder peinlichen Bemerkungen
- in sexistischen und abfälligen Gesten
- durch Vorzeigen, Aufhängen oder Auflegen von sexistischem Material
- durch unerwünschte Körperkontakte und aufdringliches Verhalten sowie durch zweideutige Einladungen
- durch Annäherungsversuche, die mit Versprechen von Vorteilen oder Androhung von Nachteilen einhergehen.»
Was ist Mobbing?
Mobbing beschreibt wiederholtes, systematisches, verletzendes, feindliches und/oder ausgrenzendes Verhalten gegenüber einer Person. Das kann sich in Worten, Handlungen oder im bewussten Ignorieren zeigen. Ziel oder Wirkung ist oft, jemanden kleinzumachen, zu isolieren oder unter Druck zu setzen. Mobbing passiert selten laut und offensichtlich. Häufig ist es subtil – aber für Betroffene sehr belastend. Auch hier gilt: Was zählt, ist nicht, wie etwas gemeint war, sondern wie es ankommt.
Die interne «Richtlinie bei Fällen von sexueller Belästigung, Mobbing und Diskriminierung am Arbeitsplatz und im Studium» der FHGR definiert den Begriff sowie das Verfahren im Falle von Mobbing:
«Mobbing ist ein systematisches, feindliches und über einen längeren Zeitraum anhaltendes Verhalten, mit welchem eine Person schikaniert, ausgegrenzt, bedrängt oder von der Arbeit oder vom Studium ausgeschlossen werden soll. Als Mobbing-Handlungen können je nach den konkreten Umständen und der Intensität des entsprechenden Verhaltens beispielsweise gelten:
- ständige unberechtigte Kritik an der Arbeit/Studienleistung
- Kontaktverweigerung und Ausgrenzung
- Personen lächerlich machen
- Verbreiten von Gerüchten
- Zurückhalten von arbeitsnotwendigen Informationen
- Zuweisung sinnloser und kränkender Arbeiten
- Drohungen und Aggressionen.»
Was ist Diskriminierung?
Diskriminierung bedeutet, dass Menschen aufgrund bestimmter Merkmale benachteiligt, ausgeschlossen oder abgewertet werden. Dazu gehören zum Beispiel Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe, sexuelle Orientierung, Religion, Beeinträchtigung oder psychische Gesundheit. Diskriminierung kann offen oder versteckt auftreten – durch Sprache, Verhalten, Strukturen oder fehlende Sensibilität. Sie signalisiert, dass jemand nicht dazugehört. Und genau das widerspricht unserer Hochschulkultur.
Die interne «Richtlinie bei Fällen von sexueller Belästigung, Mobbing und Diskriminierung am Arbeitsplatz und im Studium» der FHGR definiert den Begriff sowie das Verfahren im Falle von Diskriminierung:
«Diskriminierung ist die Herabsetzung und Benachteiligung von Mitarbeitenden und Studierenden aufgrund ihres Geschlechts, ihrer physischen oder psychischen Beeinträchtigung, Herkunft, Sprache, Hautfarbe, Religion, politischen Anschauung, sexuellen Orientierung, familiären Situation, ihres Zivilstandes, Alters oder weiterer Merkmale. Unter Diskriminierung fallen zum Beispiel:
- verbale oder schriftliche Äusserungen sowie Handlungen mit herabwürdigendem Inhalt
- direkte oder indirekte Benachteiligung.»
Ich brauche Hilfe
Wir lassen euch mit euren Anliegen nicht alleine.
Fachstelle Diversity/Meldestelle für Fälle der Diskriminierung, der sexuellen Belästigung, von Mobbing
Corin Harzenmoser
Student Services inkl. Anlaufstelle Nachteilsausgleich
Malgorzata Suter-Kaminski
Beratungsstelle für Studierende
Malgorzata Suter-Kaminski
Vertrauensperson Mitarbeitende
Corin Harzenmoser
Vertrauensperson Studierende
Malgorzata Suter-Kaminski





















